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Die informationslose Bewerbung

Leicht verfremdet, aber inhaltlich absolut treffend kam dieses Anschreiben einer Bewerberin hier auf dem Postweg an:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen. Da Sie eine motivierte und zuverlässige Mitarbeiterin suchen, möchte ich mich Ihnen gerne vorstellen.

Ich arbeite gerne im Team, kann Aufgaben aber ebenso eigenständig und verantwortungsbewusst erledigen. Der Umgang mit Menschen bereitet mir Freude und durch meine offene und hilfsbereite Art fällt es mir leicht, auf Kunden einzugehen.

In meinen bisherigen Tätigkeiten konnte ich bereits vielseitige Erfahrungen sammeln und habe gelernt, auch in stressigen Situationen ruhig und organisiert zu bleiben. Freundlichkeit, Flexibilität und Pünktlichkeit sind für mich selbstverständlich.

Über die Gelegenheit, mich persönlich bei Ihnen vorzustellen, würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Außer diesem Anschreiben gab es nichts, vor allem keinen Lebenslauf.

Nach dem Lesen dieser Bewerbung wusste ich nun also, dass die Frau freundlich, flexibel, zuverlässig, teamfähig, organisiert, belastbar, motiviert, pünktlich, hilfsbereit, kundenorientiert und selbstverständlich auch stressresistent ist — aber leider immer noch nicht, ob sie überhaupt schon einmal an einer Kasse gestanden hat. Außer als Kundin natürlich. Aufgrund der fehlenden Informationen weiß ich nicht einmal, wie alt sie ist. Durchaus interessant, denn wenn sie unter 18 ist, kommt der Job hier auch nicht in Frage. Außer sie ist dann keine Schülerin mehr und könnte an Werktagen auch vormittags arbeiten.

Auch wenn Fotos mittlerweile verpönt sind, ein Lebenslauf mit ein paar Infos hinsichtlich Ausbildung und Erfahrung ist fast schon wichtiger als ein derart gestaltetes Anschreiben voller nichtssagender Floskeln.

Aushang? Welcher Aushang?!

"Sehr geehrte Damen und Herren,

durch einen Aushang in Ihrem Supermarkt habe ich erfahren, dass Sie Aushilfen suchen. Gerne möchte ich mich Ihnen als erfahren Bewerber vorstellen.
"

So lautete der erste Satz einer Bewerbung, die der junge Mann einer Kollegin in die Hand gedrückt hatte und die so den Weg in mein Büro fand.

Gut, wir brauchen gerade keine Verstärkung. Aber welchen Aushang meint der?!

Praktikumsbewerbung aus Vorlage

So kann es passieren, wenn man für seine Bewerbung eine irgendwo gefundene Vorlage verwendet und diese nicht noch einmal abschließend durchliest und im Idealfall vervollständigt:

[…]

Ich bin motiviert, zuverlässig und arbeite gerne im Team. Außerdem bin ich bereit, neue Aufgaben zu lernen und mich aktiv einzubringen.

Gerne würde ich das Praktikum im Zeitraum von [Datum einfügen] bis [Datum einfügen] absolvieren.

Über eine positive Rückmeldung freue ich mich sehr.

[…]
Okay, "von [Datum einfügen] bis [Datum einfügen]" ist natürlich ein sehr flexibler Bereich, aber da wir grundsätzlich keine Praktikanten mehr aufnehmen, hat sich die ganze Anfrage ohnehin erledigt …

Die Mikrowelle im Personalraum

Die Mikrowelle bei uns im Personalraum ist inzwischen gute sechs Jahre alt. Sie ist von unserer Edeka-Eigenmarke und hat immer gute Dienste geleistet, grundsätzlich funktioniert sie auch immer noch. Das ist auch gar nicht der Grund für diesen Blogeintrag.

Ich weiß nicht, ob die Mikrowelle in den Jahren überhaupt mal gereinigt wurde (ich benutze sie nicht und gucke daher da auch normalerweise nicht rein), aber im schlimmsten aller anzunehmenden Fälle ist sie kein reines Küchengerät mehr, sondern ein weit darüber hinaus reichendes Archiv jahrelanger Mittagspausen.

Hier ein Spritzer Tomatensauce aus dem Jahre 2020, dort ein Klecks Chili con Carne aus dem vergangenen Herbst und wenn man die einzelnen Schichten vorsichtig abträgt, ergeben sich vielleicht auch noch die Spuren einer explodierten Packung Meica Curry King. Vielleicht sollte sie inzwischen auch gar nicht mehr geputzt werden, denn möglicherweise hat bereits das Bremer Landesamt für Denkmalpflege dieses einst profane Küchengerät unlängst zum kulturhistorisch wertvollen Querschnitt durch die Essgewohnheiten unserer Belegschaft erklärt.

(Inzwischen hat sich ein Kollege erbarmt und das Ding gereinigt.)

Merke: Wenn das Essen beim Erwärmen lauter knallt als das Feuerwerk an Silvester, lohnt sich möglichweise ein kurzer Blick in den Innenraum um zu überprüfen, ob alles in Ordnung ist oder sich die angehende Mahlzeit gerade an den Wänden und der Decke verteilt …