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Versuchte Merci-"Rückgabe"

Eine Kundin betrat den Laden und wollte eine Packung "Merci"-Schokolade zurückgeben, die sie woanders gekauft haben will.

Nee, so funktioniert das aber nicht. Wir kaufen unsere Ware nur im Großhandel. :-P

(Die Antwort war folglich ein fettes Nein.)

Dringend chilenische Produkte bestellen!

Eine Kundin suchte chilenische Produkte, die sie für einen Geschenkkorb verwenden wollte, da sie Besuch von einem Bekannten aus Chile bekommt.

Wir haben keine Produkte aus Chile im Sortiment.

Der ausdrücklich geäußerte Wunsch der Kundin war, diese Artikel bis Freitag Mittag bitte unbedingt ins Sortiment aufzunehmen.

Ähh, nein. Kundenwunsch hin oder her, so einfach geht das nicht. Da das die erste Anfrage dieser Art nach nun über 26 Jahren war, wird es auch weiterhin keine chilenischen Spezialitäten hier geben.

Dynamische Einkaufsliste

Zwei Jungs im frühen Teeny-Alter waren einkaufen und hatten eine kleine Einkaufsliste dabei. Sie brauchten etwas Hilfe und hatten mich angesprochen. Kein Problem, dafür bin ich ja da.

Der Schrift nach hatten sie die Liste nicht selber geschrieben. Die einzelnen Posten legten sie recht dynamisch aus und auch ich konnte nicht hellsehen, so dass sich ein Fragezeichen an das nächste reihte.

Beispiel 1:

"Sellerie" stand auf der Liste. Die beiden waren etwas ratlos und auch meine Frage, ob Knollen- oder Staudensellerie konnten sie nicht beantworten. (Es hätte ja im Zweifel sogar noch welcher aus der Konserve sein können, aber der ist nun eher ein gar nicht so gängiger Artikel.) Ob Knollen oder Stangen wussten sie nicht und haben sich dann spontan für den abgepackten Staudensellerie entschieden. 50:50-Chance auf einen Treffer.

Beispiel 2:

"Parmesan" stand auf dem Zettel. Da gab es wieder die Frage, ob am Stück oder gerieben. Letzterer ist bei uns sehr viel gängiger. Während wir noch rätselten zeigte der größere der beiden auf den geriebenen Edamer weiter oben im Regal: "Da, pack den ein."
Ich erklärte noch, dass das aber kein Parmesan ist, aber er zuckte nur mit den Schultern. "Ist egal." Na, denn …

Auch bei anderen Artikeln war die Liste eher eine grobe Orientierungshilfe, so dass ich kaum weiterhelfen konnte.

Dann sollten sie noch "frischen Basilikum" mitbringen. Ich drückte ihnen einen der Kräutertöpfe in die Hand und lachte: "Das war mal einfach und zum Glück auch eindeutig."

Sie haben den Basilikum letztendlich gekauft, aber nach all dem "egal, passt schon so" war es wirklich erstaunlich dass die Jungs dreimal von mir wissen wollten, ob das auch wirklich, wirklich Basilikum sei. Tzz …

Um im Trend zu bleiben hätten sie einen Topf Petersilie mitnehmen sollen. :-P

CO2-Zylinder-Hellseherei

Es klingelte an der Lagertür. Ein Kunde hatte den Knopf der Serviceklingel betätigt und da er einen (mutmaßlich) leeren CO2-Zylinder in der Hand hielt, wollte er diesen vermutlich gegen einen vollen austauschen.

Ein Kollege war gerade in der Pause und die beiden andern anwesenden Mitarbeiter an der Kasse beschäftigt. Also sprang ich beim Ertönen der Klingel auf und ging selber hin. Dass der Kunde da an der Tür mit einem Sodastream-Zylinder stand hatte ich auf dem Monitor der Videoanlage gesehen und so schnappte ich mir auf dem Weg nach vorne einen vollen Zylinder und hielt diesen schließlich dem Kunden fröhlich grinsend entgegen.

Dieser guckte etwas überrascht: "Haben Sie das gewusst?!?"

"Ach, nach dreißig Jahren in dem Job entwickelt man eine spezielle Mischung aus Intuition und hellseherischen Fähigkeiten, da hört man quasi schon am Klingeln, was jemand von einem will."

"Wow, echt kaum zu glauben", konstatierte der Kunde.

Ich grinste ihn an und zeigte nach oben in die Ecke über unserem Leergutautomaten: "... und dann ist da oben noch eine Kamera, die ganz ohne Magie mitgeholfen hat."

Es ist immer schön, Leute zum Lachen zu bringen. Das macht das Leben und auch den Arbeitsalltag doch sehr viel angenehmer.

"Beim SPAR"

Ich stand gerade in er Gemüseabteilung, als ein Kunde mit Handy am Ohr den Laden betrat. Er beendete das Gespräch mit den Worten "du, ich ruf' dich nachher wieder an, ich bin gerade beim SPAR rein."

"Beim SPAR!

"Beim SPAR!!!

Nach acht Jahren ohne die Tanne über der Tür. :-)

Selbststreiterei

Gedanken schießen einem bekanntlich in Sekundenbruchteilen durch den Kopf. Wie aus dem Nichts stritten plötzlich zwei oder mehrere Kunden oder Kundinnen so im Laden oder vielleicht auch vor der Leergutannahme, dass die Geräuschkulisse laut bis in mein Büro zu vernehmen war.

Panisch schreckte ich auf: Was ist da los? Prügeln sich da welche? Sollte ich oder überhaupt jemand aus dem Team eingreifen? Sofort die Polizei rufen? Und wenn die direkt handgreiflich werden oder vielleicht sogar Waffen dabei haben? Shit!

Da ich hier an oberster Stelle stehe und mich am wenigsten vor Problemen drücken sollte, ging ich pflichtbewusst und zügig in Richtung Laden.

Dort traf ich sage und schreibe eine Kundin an. Eine uns bekannte Frau um die 60, deren genaues Problem sich uns nicht erschließt, die aber schon durch so manches seltsames Verhalten hier auffällig geworden ist. Eine Kollegin tippt auf massive psychische Probleme, vielleicht Schizophrenie. Ich habe keine Ahnung, ich bin kein Psychiater.

Um zu sehen, was da vorher passiert war und ob sich der mutmaßliche Mob tatsächlich so schnell aufgelöst hatte, guckte ich mir die Videoaufzeichnung der vergangenen Minuten an.

Erkenntnis: Kein Mob, keine anderen Leute, kein Streit. Die Frau hat einfach nur mit sich selbst gestritten und dabei alles gegeben …

Warten auf den Bon

Eine Frau stand vor dem Leergutautomaten und bewegte sich nicht. Während ich auf meinem Weg zum Lager immer näher kam, stand sie weiterhin regungslos vor dem Automaten.

Offenbar gab es irgendein Problem und weil ich in so einer Situation immer zu helfen versuche, blieb ich stehen, als ich auf ihrer Höhe war und wollte gerade fragen, ob ich helfen könne, als der Automat den automatischen Bondruck startete. Sie griff danach und wollte sich gerade umdrehen, als ich mich einmischte und ihr sagte, dass sie mit einem Druck auf den gelben Button "Bon drucken" die Wartezeit umgehen könne.

Sie klärte mich auf, warum sie gewartet hatte: Natürlich wüsste sie auch, dass man einfach die Taste drücken kann, aber sie liebt diese Funktion mit dem automatischen Bondruck nach einer gewissen Wartezeit. So muss man nämlich nicht auf das dreckige Display fassen.

Mit der Aussage, dass es bei uns zum Glück nicht so schlimm ist wie in anderen Läden, zauberte sie noch ein kleines Lächeln in meinen Schädel. :-)

Die vermisste alte Kundin

Eine alte Stammkundin hatte vor Wochen ihr Portemonnaie vermisst. Sie war hundertprozentig sicher, es eingesteckt zu haben, aber auch mit aller Mühe an der Videoanlage ließ sich nicht herausfinden, ob sie es auch tatsächlich bei uns im Laden dabei hatte. Nie hielt sie es in den Händen und es war auch nie jemand so in ihrer Nähe, dass ein Taschendiebstahl anzunehmen gewesen wäre.

Die Kundin ging etwas geknickt nach Hause und wollte dort noch einmal in Ruhe nachsehen. Das ist nun einige Wochen her und obwohl sie sonst fast täglich bei uns war, haben wir sie seitdem nie wieder hier im Laden gesehen.

Wir können nichts daran ändern, aber ich gebe zu, dass man sich schon Gedanken macht. Die Option, dass sie plötzlich umgezogen ist, würden Ines und ich jedenfalls gleichermaßen nicht in Betracht ziehen. :-O

Assiladen

In Sekunden vom Frieden bis zur Eskalation …

Der letzte Gang hier vor der Kasse, in dem auch die Warteschlange steht, wenn es voll ist, ist relativ eng. Baulich nicht anders machbar, aber wir leben andererseits auch seit knapp acht Jahren damit.

Eine Kundin rempelte in besagtem Gang versehentlich mit ihrem auf dem Rücken getragenen Rucksack einen anderen Kunden an. Letzterer bekam lediglich einen leichten Knuff in die Seite und wird mutmaßlich keine bleibenden körperlichen Schäden davontragen. Die Kundin bat höflich um Entschuldigung und damit wäre das Thema unter normalen Menschen für beide Parteien erledigt gewesen.

Der angerempelte Kunde war jedoch nicht normal, sondern mehr oder weniger stark angetrunken mit einer Tendenz zu aggressivem Verhalten. Statt die Sache auf sich beruhen zu lassen, fing er zunächst noch in moderater Lautstärke an, die Rucksackkundin anzumotzen. Dies steigerte sich im Laufe weniger Minuten zu einer derart lautstarken wie ausfallenden Pöbelei, dass sich schließlich Ines einmischte und schlichten wollte.

Statt sich zu beruhigen, fing der Typ auch noch an, Ines zu beleidigen. Und überhaupt wäre das hier ein Assiladen sondergleichen und hier ist sowieso alle scheiße uswusf.

Sein Bier durfte er nicht mehr kaufen, dafür hat er jetzt Hausverbot.

Nussverkauf per Zeichensprache

Eine Kundin, die kaum ein Wort Deutsch sprach, versuchte Ines mitzuteilen, welches Produkt sie gerne erwerben würde. Da die verbale Kommunikation an gegenseitigem Unverständnis des Deutschen und Albanischen konsequent scheiterte, nutze die Frau kurzerhand Zeichensprache.

Zunächst legte sie Daumen und Zeigefinger einer Hand zusammen und formte auf diese Weise einen kleinen Kreis. Sie zeigte mit der anderen Hand auf genau diesen Kreis.

Dann machte sie ihre Hand zur Faust und deutete eine Bewegung an, als würde sie einen Hammer halten und damit zuschlagen.

Zu guter Letzt legte sie beide Hände, die sie als "Schüsselchen" hielt, mit den Handflächen zusammen und klappte sie auseinander, während sie die Hände an der Handkante zusammen hielt.

Es hätten natürlich auch andere Dinge gemeint gewesen sein können (Ü-Eier, Geoden, Tabletten), aber die Kundin suchte tatsächlich Walnüsse in der Schale – und das erriet meine Gattin direkt schon beim ersten Versuch. :-)

Entlastendes Leergut

Ein Mann betrat unseren Laden, bei dem Ines' innere Alarmglöckchen sofort losschrillten. Sie kam zu mir ins Büro geflitzt und wies mich an, sofort einen Blick auf die Videoanlage zu werfen. "Der ist auf dem Weg zur Leergutannahme", erklärte sie mir, als ich nicht genau wusste, in welchen Kameraansichten ich nach ihm suchen sollte.

Als er vor dem Leergutautomaten stand, seine Tasche öffnete und eine Flasche nach der anderen in den Automaten steckte, entspannten wir uns wieder. "Ach, der ist harmlos" extrapolierten wir beide anhand des abgegebenen Leerguts: Club-Mate-Flaschen und Saftflaschen von Voelkel, dazu noch ein paar Augustiner-Bierflaschen. Das ist nun gerade nicht die typische LD-Mischung. (DIE gibt es auch!)

Wir guckten ihm dann nicht weiter hinterher.

Der dicke Unfreundliche

Meine Mitarbeiterin an der Kasse rief an und bat darum, dass mal schnell jemand nach vorne kommt. Eine ältere Stammkundin würde von einem fremden Mann angepöbelt werden.

"Angepöbelt" war relativ. Der relativ beleibte Mann, dem schon einfaches Gehen Mühe machte und ihn nach Luft schnappen ließ, hatte sich mit einem Stöhnen recht rüde auf die Bank unseres Packtisches fallen lassen. Dass er dabei zum einen eine ältere Stammkundin, die gerade am Packtisch dabei war, ihren Einkauf einzupacken, relativ rüde zur Seite drängte, war die eine Sache. Dass er sich schlichtweg und ohne Rücksicht auf Verluste auf ihre Handtasche fallen ließ, die auf der Bank lag, noch eine andere. Ihren Protest kommentiere er mit einem ziemlich lauten "Ich muss hier jetzt sitzen!", woraufhin die Kassiererin das Telefon zur Hand genommen hatte.

Zu Sachschaden im inneren der Tasche war es wohl nicht gekommen und die Kundin trug es auch mit Fassung. "Sie können ja nichts dafür und sind ja auch sofort zur Stelle gewesen", sagte sie und nahm unserem Laden den Vorfall nicht übel.

Der Mann saß da nun auf der Bank und packte ebenfalls seinen Einkauf aus dem Wagen in eine mitgebrachte Tasche um. Ich stellte mich neben ihn uns sagte: "Ein wenig Freundlichkeit im Umgang mit seinen Mitmenschen hat noch niemandem geschadet."

Keine Reaktion.

Der Mann trug Kopfhörer und hörte mich nicht oder wollte mich nicht hören.
Ich wedelte einmal kurz mit meiner Hand vor seinem Gesicht hin und her.

Keine Reaktion.

Ich zog den Einkaufswagen ein paar Zentimeter (ca. 15-20, nicht weiter) vom ihm weg und tippte ihm einmal gegen den Arm. Auf diese Weise wollte ich noch einmal versuchen, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Da brüllte er los: "Lassen Sie mich und meinen Einkaufswagen in Ruhe!!!"

Ich ließ ihn dann in Ruhe. Gottes Garten ist groß und solche Leute muss es wohl auch geben. Wir kannten den Mann bislang noch nicht als Kunden und wenn das hier sein einziger Besuch bei uns war, will ich damit leben können …

Mittagspause

Eine Kundin rief an und erkundigte sich nach einem bestimmten Artikel. Da wir ihn im Sortiment und auch vorrätig haben, fiel Ines' Antwort an die Anruferin positiv aus.

"Dann komme ich gleich vorbei. Oder haben Sie gleich Mittagspause?"

Faszinierende Reaktion. Wann hat denn zuletzt ein größerer Lebensmittelmarkt hier in Deutschland zur Mittagspause geschlossen? Das kennt man doch höchstens noch von kleineren Dorfläden, aber irgendwo im städtischen Umfeld? :-)

Umtausch mit Abschlag

Ein Kunde hatte vor einer Weile aus unserem Regal mit dem Fahrradzubehör einen Fahrradschlauch gekauft. Das ist schön. Da er nicht aufgepasst hatte, erwischte er den falschen Schlauch mit viel zu großem Durchmesser Querschnitt. Das kann passieren. Da ihm der Fehlgriff nicht aufgefallen war, hatte er die Packung ohne viel Vorsicht geöffnet und den ordentlich zusammengefalteten Inhalt ausgepackt. Das war nicht so gut.

Nach dem Einpacken sah der Karton nicht wirklich besser aus, aber da hielt ihn nicht davon ab, herzukommen und darum zu bitten, den Artikel zurückgeben zu dürfen. Er hatte nicht viel Verständnis dafür, dass andere Kunden eine aufgerissene und irgendwie wieder geklebte Packung nicht kaufen würde. "Mir ist das egal", sagte er. Ob ernst gemeint oder nur ein Versuch, uns von der Rücknahme zu überzeugen, weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass die meisten Kunden eine heile Packung einer derart beschädigten Vorziehen. Als Kompromiss bot ich dem Mann an, den Artikel für knapp die Hälfte des Kaufpreises zurückzunehmen. Wenn wir den Fahrradschlauch in der demolierten Packung hier zum Sonderpreis von 4 Euro (statt 7,59) anbieten würden, dürfte er trotz der zerrissenen Pappe früher oder später einen Abnehmer finden.

Nachdem der Schlauch ein paar Wochen mit dem Sonderpreis im Regal stand, hatte sich wirklich ein anderer Kunde über den reduzierten Artikel gefreut.


Ihr Arschlöcher!!!

Fundstück im Kühlregal zwischen der Ware: Eine Kundin oder ein Kunde (mutmaßlich eher ein solcher) vermisste offenbar schon einiger Zeit ein Produkt (Fischzubereitung) aus dem Kühlregal. Da wir den Artikel nicht mutwillig ausgelistet haben, war er entweder eine Weile nicht lieferbar, der Kunde kam immer im falschen Moment zwischen ausverkauft und nachbestellt oder die neue Kollegin aus der Abteilung hatte wegen der Packweise (zwei Artikel teilen sich einen Platz und es ist insgesamt sehr eng) die Curry-Version tatsächlich eine Weile nicht bestellt.

Warum man dann gleich ausfallend werden muss, statt einfach mal das Gespräch zu suchen, erschließt sich mir nicht. Zur Strafe hätte man den Artikel gleich dauerhaft endgültig auslisten müssen.