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Selbststreiterei

Gedanken schießen einem bekanntlich in Sekundenbruchteilen durch den Kopf. Wie aus dem Nichts stritten plötzlich zwei oder mehrere Kunden oder Kundinnen so im Laden oder vielleicht auch vor der Leergutannahme, dass die Geräuschkulisse laut bis in mein Büro zu vernehmen war.

Panisch schreckte ich auf: Was ist da los? Prügeln sich da welche? Sollte ich oder überhaupt jemand aus dem Team eingreifen? Sofort die Polizei rufen? Und wenn die direkt handgreiflich werden oder vielleicht sogar Waffen dabei haben? Shit!

Da ich hier an oberster Stelle stehe und mich am wenigsten vor Problemen drücken sollte, ging ich pflichtbewusst und zügig in Richtung Laden.

Dort traf ich sage und schreibe eine Kundin an. Eine uns bekannte Frau um die 60, deren genaues Problem sich uns nicht erschließt, die aber schon durch so manches seltsames Verhalten hier auffällig geworden ist. Eine Kollegin tippt auf massive psychische Probleme, vielleicht Schizophrenie. Ich habe keine Ahnung, ich bin kein Psychiater.

Um zu sehen, was da vorher passiert war und ob sich der mutmaßliche Mob tatsächlich so schnell aufgelöst hatte, guckte ich mir die Videoaufzeichnung der vergangenen Minuten an.

Erkenntnis: Kein Mob, keine anderen Leute, kein Streit. Die Frau hat einfach nur mit sich selbst gestritten und dabei alles gegeben …

Warten auf den Bon

Eine Frau stand vor dem Leergutautomaten und bewegte sich nicht. Während ich auf meinem Weg zum Lager immer näher kam, stand sie weiterhin regungslos vor dem Automaten.

Offenbar gab es irgendein Problem und weil ich in so einer Situation immer zu helfen versuche, blieb ich stehen, als ich auf ihrer Höhe war und wollte gerade fragen, ob ich helfen könne, als der Automat den automatischen Bondruck startete. Sie griff danach und wollte sich gerade umdrehen, als ich mich einmischte und ihr sagte, dass sie mit einem Druck auf den gelben Button "Bon drucken" die Wartezeit umgehen könne.

Sie klärte mich auf, warum sie gewartet hatte: Natürlich wüsste sie auch, dass man einfach die Taste drücken kann, aber sie liebt diese Funktion mit dem automatischen Bondruck nach einer gewissen Wartezeit. So muss man nämlich nicht auf das dreckige Display fassen.

Mit der Aussage, dass es bei uns zum Glück nicht so schlimm ist wie in anderen Läden, zauberte sie noch ein kleines Lächeln in meinen Schädel. :-)

Die vermisste alte Kundin

Eine alte Stammkundin hatte vor Wochen ihr Portemonnaie vermisst. Sie war hundertprozentig sicher, es eingesteckt zu haben, aber auch mit aller Mühe an der Videoanlage ließ sich nicht herausfinden, ob sie es auch tatsächlich bei uns im Laden dabei hatte. Nie hielt sie es in den Händen und es war auch nie jemand so in ihrer Nähe, dass ein Taschendiebstahl anzunehmen gewesen wäre.

Die Kundin ging etwas geknickt nach Hause und wollte dort noch einmal in Ruhe nachsehen. Das ist nun einige Wochen her und obwohl sie sonst fast täglich bei uns war, haben wir sie seitdem nie wieder hier im Laden gesehen.

Wir können nichts daran ändern, aber ich gebe zu, dass man sich schon Gedanken macht. Die Option, dass sie plötzlich umgezogen ist, würden Ines und ich jedenfalls gleichermaßen nicht in Betracht ziehen. :-O

Assiladen

In Sekunden vom Frieden bis zur Eskalation …

Der letzte Gang hier vor der Kasse, in dem auch die Warteschlange steht, wenn es voll ist, ist relativ eng. Baulich nicht anders machbar, aber wir leben andererseits auch seit knapp acht Jahren damit.

Eine Kundin rempelte in besagtem Gang versehentlich mit ihrem auf dem Rücken getragenen Rucksack einen anderen Kunden an. Letzterer bekam lediglich einen leichten Knuff in die Seite und wird mutmaßlich keine bleibenden körperlichen Schäden davontragen. Die Kundin bat höflich um Entschuldigung und damit wäre das Thema unter normalen Menschen für beide Parteien erledigt gewesen.

Der angerempelte Kunde war jedoch nicht normal, sondern mehr oder weniger stark angetrunken mit einer Tendenz zu aggressivem Verhalten. Statt die Sache auf sich beruhen zu lassen, fing er zunächst noch in moderater Lautstärke an, die Rucksackkundin anzumotzen. Dies steigerte sich im Laufe weniger Minuten zu einer derart lautstarken wie ausfallenden Pöbelei, dass sich schließlich Ines einmischte und schlichten wollte.

Statt sich zu beruhigen, fing der Typ auch noch an, Ines zu beleidigen. Und überhaupt wäre das hier ein Assiladen sondergleichen und hier ist sowieso alle scheiße uswusf.

Sein Bier durfte er nicht mehr kaufen, dafür hat er jetzt Hausverbot.

Nussverkauf per Zeichensprache

Eine Kundin, die kaum ein Wort Deutsch sprach, versuchte Ines mitzuteilen, welches Produkt sie gerne erwerben würde. Da die verbale Kommunikation an gegenseitigem Unverständnis des Deutschen und Albanischen konsequent scheiterte, nutze die Frau kurzerhand Zeichensprache.

Zunächst legte sie Daumen und Zeigefinger einer Hand zusammen und formte auf diese Weise einen kleinen Kreis. Sie zeigte mit der anderen Hand auf genau diesen Kreis.

Dann machte sie ihre Hand zur Faust und deutete eine Bewegung an, als würde sie einen Hammer halten und damit zuschlagen.

Zu guter Letzt legte sie beide Hände, die sie als "Schüsselchen" hielt, mit den Handflächen zusammen und klappte sie auseinander, während sie die Hände an der Handkante zusammen hielt.

Es hätten natürlich auch andere Dinge gemeint gewesen sein können (Ü-Eier, Geoden, Tabletten), aber die Kundin suchte tatsächlich Walnüsse in der Schale – und das erriet meine Gattin direkt schon beim ersten Versuch. :-)