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Späti an die Ecki, äh, Ecke

Auf unserer Straßenseite und nur rund 130 Meter die Straße runter, an der Kreuzung genau gegenüber vom Penny-Markt, entsteht derzeit offenbar ein neuer begehbarer Kiosk, die ich immer nur als Quick-Shop bezeichne; andere bezeichnen sie als "Späti", was nun auch hier auf den Schaufenstern steht. Grundsätzlich ist gegen zusätzliche Nahversorgung natürlich nichts einzuwenden und ich glaube auch nicht, dass dieses Geschäft mich in die roten Zahlen zwingen wird. Da ist wohl eher der Penny gefährdet, der nur eine Straßenüberquerung entfernt ist.

Trotz dieser pauschal erst einmal entspannten Herangehensweise beobachte ich die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Nicht wegen dieses konkreten Geschäfts und des oben erwähnten Umsatzes, zumal ich die neuen Betreiber auch gar nicht kenne und demzufolge absolut nichts über sie weiß, sondern wegen eines allgemeinen Problems, das uns im Einzelhandel (zumindest hier in Bremen und bei uns im Speziellen) seit Jahren begleitet.

Es gibt zwei Arten von Ladendieben. Die einen klauen mehr oder weniger Ware für sich selber. Die anderen, und das sind die gefährlichen, klauen im großen Stil, oft für die Geldbeschaffung, um davon den nächsten Schuss kaufen zu können. Das sind die, die mit einer Sporttasche oder einem Rucksack voll möglichst viel hochwertige Ware rausschleppen, um diese dann irgendwo zu versetzen. Schokolade, Nüsse, Alkohol, Kaffee, Käse, Butter, Drogerieartikel, eben das ganze Programm, das ihr hier von mir schon kennengelernt habt. Dass es viele Läden hier in Bremen gibt, die solche Dinge ankaufen, weiß ich schon lange. Ines hatte mal einen Ladendieb gefragt, wieviel Geld er bekommt. Wenn die Antwort ehrlich war, lag der Betrag bei etwa 10% des eigentlichen Verkaufspreises. Und die Frage, wer sowas hier in Bremen ankauft, beantwortete der Junkie ebenfalls: "Jeder Kiosk in der Stadt." Klassische Kioske gibt es kaum noch, aber gemeint waren die begehbaren Varianten, in denen man auch Edeka-Eigenmarkenkäse und Gepa-Schokolade bekommt. Wer solche Artikel dort kauft und nicht misstrauisch wird … Aber das ist ein anderes Thema.

Für "professionelle" Ladendiebe sind kurze Wege und schnelle Absatzmöglichkeiten natürlich attraktiv. Ich bin ganz sicher, dass der Quickshop hier in der Parallelstraße, in den einer meiner LDs mit einem Karton Käse verschwunden war und mit dem Mitarbeiter bereits schon hinter dem Tresen stand, als wir den Laden betraten, auch in diese Kategorie gehört. Ein Polizist hatte mir gesagt, dass er den Mann kennen würde und dass der Laden sicherlich keine Hehlerware ankaufen würde, aber was hätte der Ladendieb sonst da machen sollen, als er den Käse auf dem Fußboden auszubreiten begann?

Zurück zur Entwicklung hier an der Kreuzung: Der erste Gedanke, der mir als Einzelhändler durch den Kopf ging, war: Falls unsere üblichen Verdächtigen irgendwann einen Abnehmer für geklaute Ware suchen sollten, müssen sie künftig immerhin nicht mehr so weit laufen. Keine Unterstellung, nur eine Befürchtung.

Ob der neue Laden in diesem Geschäftsmodell irgendeine Rolle spielen wird? Das weiß ich nicht. Dafür gibt es derzeit auch keinerlei Anhaltspunkte und daher will ich auch niemandem pauschal und vorverurteilend irgendetwas unterstellen. Ich hoffe ausdrücklich, dass es ein ganz normaler, sauber geführter Betrieb wird. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn sich meine Skepsis als völlig unbegründet erweist. Aber ich gebe ehrlich zu, dass ich bei dem Thema das sprichwörtlich gebrannte Kind bin und ich mir darüber schon in den letzten Tagen einige Gedanken gemacht habe.


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Kommentare

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Chris_aus_B am :

Wenn es nicht so ein immenser Aufwand an (Personal-)Zeit und Geld wäre würde ich ja vorschlagen, auf so ziemlich alles sehr stark klebende Aufkleber zu kleben, die in etwa sagen "Verkauf durch EDEKA Harste" plus Adresse und/oder Telefon.Verschiedene Formate für verschiedene Produkte sind wahrscheinlich auch notwendig und gegen Diebstähle aus Eigenbedarf und direkte (gewerbliche) Essenszubereitung hilft das auch kaum oder nicht.

Sollten da nicht schon seit vielen Jahren im großen Maßstab (Hersteller, Großhändler, Logistik) die RFIDs ins Spiel kommen, wo man dann z.B. den Inhalt eines ganzen angelieferten Rollbehälters auf einmal mit neuen (zusätzlichen) Daten bereichern kann? Sollte natürlich WORM-Speicher sein (Write Once Read Many), damit die Eigentumskennung des Ladens nicht gelöscht werden kann.

Georg am :

Ich kann mich entsinnen das der Betreiber eines Gemüseladens immer beim Plus in seiner Nähe grössere Mengen der Plus Cola gekauft hat um sie in seinem Geschäft mit Aufschlag zu verkaufen,also wäre so ein Aufkleber irgendwie Sinnlos oder ein Kiosk in der Gröpelinger Heerstrasse der Liquids von TEDI in seinem Bestand hatte,das TEDI Logo war mehr oder weniger gut mit einem Edding überpinselt,Diebesgut oder dort erworben?

Da würde wohl nur der Regelmäßige Besuch der Steuerfahndung helfen,wenn die feststellen das es für viele Waren keine Einkaufsbelege gibt könnte sich die Polizei drum kümmern

Ich schon wieder am :

Auch das ist nicht so leicht, wenn sie die geklauten Sachen komplett schwarz durchschieben, ohne Beleg, ohne Registrierkarte.
Und für den Warenbestand werden sie schon mehr oder weniger irgendwelche Kaufbelege haben.
Mit der Registrierkassenpflicht tut sich überdies das Mutterland der Bürokratie immer noch sehr schwer.

Bernd am :

In den letzten Jahren geht der Diebstahl im EH steil bergauf, einerseits gepusht durch die Veränderungen in der Gesellschaft, andererseits auch durch die fehlende Strafverfolgung.

Ich frage mich schon länger warum man nicht etwas Geld in die Hand nimmt und dieser Entwicklung auf anderen Wegen entgegen tritt.

Der übliche Weg wie Anzeige + Hausverbot bei professionellen Dieben hilft nicht wirklich, da wie oben beschrieben die Strafverfolgung zu Wünschen übrig lässt.

Aber wenn man den Hehler (z.B. Kiosk/Späti) beweisfest was nachweisen kann, kann man vielleicht auf diesem Weg einerseits den Diebstahl in Zukunft eindämmen, sowie wird man die kleine Konkurrenz als Bonus auch noch los.

Es sollte doch kein Problem sein gewisse Ware so zu markieren, dass man im Späti die Herkunft nachweisen kann. Ob nun durch spezielle Aufdrucke oder RFID (Worm) oder auch andere Methoden. Aber wie eingangs geschrieben, man muss etwas Geld in die Hand nehmen.

Ich schon wieder am :

Solange Polizei und Justiz der Hehlerei von solchen Supermarktartikeln mit komplettem Desinertesse begegnen, wird das so weiterlaufen.
Den Junkie hat man schon aufgegeben, der ist ja nur arm dran und tut ja quasi niemandem so wirklich weh, wenn er aus seiner persönlichen Not heraus Käse und Kaffee schachtelweise aus dem Supermarkt schleppt.
Außerdem hat er eh nichts zu verlieren und die Knäste sind voll.

Solche Kioskbetreiber haben aber meistens etwas zu verlieren und man könnte sie schon in ihren unehrenhaften Geschäften behindern, indem man das vorhandene Handwerkszeug benutzt und und die Taten unnachgiebig bis zum Gerichtsurteil ahndet.
Steuerhinterziehung und v.a. Hehlerei führen sehr schnell zu Haftstrafen - wenn das gewollt ist:
Grunddelikt: Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe.Gewerbsmäßige Hehlerei: Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren.Gewerbsmäßige Bandenhehlerei: Freiheitsstrafe von 1 Jahr bis zu 10 Jahren.
Wenn man aber die weisungsgebundenen Staatsanwälte entsprechend instruiert und die Polizei unterfinanziert, dann passiert nichts und es wird immer schlimmer.
Würde man nur ein paar Kioskmänner pro Großstadt verknacken, wäre es schnell vorbei.

C3 am :

Ich sehe das wie 'Ich schon wieder'. Wenn die Diebstähle im Einzelhandel weiter zunehmen, könnten Einzelhandelsketten auf die Idee kommen, eine private Task Force zu bezahlen, die die beliebtesten Waren kennzeichnet und gemeinsam mit der lokalen Polizei ein paar Hehler hochnimmt. Win-Win.

Es braucht wahrscheinlich über die IHK einiges an örtlicher Lobbyarbeit bis Polizei und Justiz mitmachen, aber dafür sind eigentlich alle drei da.

Warenverräumer am :

Hier ein sehr interessanter Artikel dazu: "Büdchen in Düsseldorf: Geschäfte mit Drogensüchtigen?" https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/buedchen-in-duesseldorf-geschaefte-mit-drogensuechtigen_aid-140929039?share=32ad72e24995beb97b9bb9157ceb79db&utm_source=user&utm_medium=referral&utm_campaign=plusshare

Klodeckel am :

Schon traurig, wenn die Eröffnung einer kleinen Trinkhalle in der Nachbarschaft einem Supermarktbesitzer schlaflose Nächte bereitet.
Das Problem der stark ansteigenden Ladendiebstähle kann nur politisch bekämpft werden. Damit ist allerdings nicht zu rechnen.
Als Supermarktbetreiber würde ich mir überlegen, wie ich mit den Zuständen überleben kann und ob es sich mittel- und langfristig überhaupt noch lohnt zu arbeiten, wenn man von der Politik komplett im Stich gelassen wird.

Ich vermute, dass Björn solche Gedanke schon umtreiben und ihn nur die Liebe zu seinem Supermarkt bisher davon abgehalten hat, die Brocken hinzuschmeißen.

TOMRA am :

Gibt es in Berlin so viele Spätis, weil es so viele Bösewichte und Supermärkte gibt?

Georg am :

Allein in einem Gebäude in Berlin,Platz der Republik 1,treffen sich doch regelmäßig 630 Bösewichte ;-)

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